verfasst am 26.07.2026 von Luca Brodinger

Einmal mehr wurde uns in den vergangenen Sommerwochen vom 10. bis 18.07. bewusst, dass die Vorbereitungen auf die bevorstehenden SKIF Weltmeisterschaften in Antalya keineswegs abgeschlossen sind. Der Rohdiamant, den wir seit Beginn unseres Karateweges zu schleifen versuchen, nimmt mit jeder Turniervorbereitung, jedem Training und jedem weiteren Lehrgang eine schönere und vollkommenere Form an. Dabei müssen wir uns jedoch zunehmend bewusst werden, dass auch das Werkzeug, mit dem wir diesen Diamanten schleifen und bearbeiten wollen, das richtige sein muss.

Vor allem im Kumite zeigt uns Kanazawa sensei, dass das Ergebnis, also der Diamant, bereits eine gute Form angenommen hat und wir schon jetzt gute Resultate erzielen. Das Werkzeug, das wir dafür einsetzen, kann jedoch noch wesentlich effektiver werden. Kanazawa Sensei übt mit uns immer wieder vermeintlich einfache Techniken und Kombinationen, die durch kleine Tricks, gezielte Hüftbewegungen, angepasste Bewegungsabläufe und Finten so lange verfeinert werden, bis daraus eine nahezu perfekte Technik entsteht.

In einem sehr intensiven und lehrreichen Natsu no Gasshuku, bei dem unter anderem auch der Schweizer Bundestrainer Rikuta Koga shihan sowie Fumitoshi Kanazawa sensei Trainingseinheiten abhielten, durften wir wieder einmal an unsere körperlichen Grenzen gehen – und diese auch gerne einmal überschreiten. Sich nach zahlreichen Trainingseinheiten all die Details, Techniken und Schrittfolgen einzuprägen und sie immer wieder gezielt abzurufen, ist und bleibt dabei eine große Herausforderung.

Nach einem intensiven Sommertrainingslager durften wir überraschenderweise noch eine Handvoll Abendtrainings sowie ein speziell auf das Nationalteam ausgerichtetes Training mit Kanazawa sensei genießen. In dieser besonderen Einheit konnten wir noch einmal zeigen, üben und verbessern, was wir zuvor mit unserem Gasttrainer erarbeitet hatten.

Zu unserer Überraschung begannen wir mit Kihon – für ein solches Training eher ungewöhnlich. Doch Kanazawa sensei wollte uns damit verdeutlichen, was im Karate von entscheidender Bedeutung ist: Herz und Kampfgeist. 100 Prozent Einsatz, unabhängig davon, welche Übung gerade auf dem Programm steht. Danach legte Kanazawa sensei den Fokus auf Kumite. Wir beschäftigten uns zwar nur mit einer einzigen Übung, diese wurde jedoch durch zahlreiche kleine Abwandlungen und Feinheiten so intensiv bearbeitet, dass damit eine gesamte Trainingseinheit gefüllt werden konnte. Nun können wir sicher sein, dass unser Karate – unser Diamant – nicht nur eine schönere Form angenommen hat. Wir versuchen jetzt auch nicht mehr, ihn mit der großen Hacke zu bearbeiten, sondern haben zunehmend gelernt, die passende Feile dafür einzusetzen.

Am Sonntag ging es schließlich gemeinsam mit elf Österreichern und Fumitoshi Kanazawa sensei weiter in die Schweiz. Um das Andenken an unseren Bundestrainer zu ehren, besuchten wir gemeinsam das Grab von Kawasoe shihan in Götzis. Mit einer motivierten und zugleich dankbaren Haltung konnten wir anschließend unsere Reise fortsetzen.

Das Motto für das Schweizer Gasshuku lautete nun: Körper und Geist überwinden, um über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.